Respiratory distress (Atemnot) tritt auf, wenn dein Körper sehr viel mehr Sauerstoff benötigt (wie zum Beispiel nach einem anstrengenden Dauerlauf). Man kann sie leicht entdecken, wenn man auf folgende Hinweise achtet:
  • Beschleunigte Atmung (Tachypnoe): Mehr Atemzüge (bis zu 40-50 / Minute). Dadurch gelangt im gleichen Zeitraum mehr Sauerstoff in den Körper.
  • Vertiefte Atmung: Mit tiefen Atemzügen gelangt mehr Sauerstoff pro Atemzug in den Körper.
  • Kutschersitz / Torwartstellung: Wenn jemand sich nach vorne lehnt und die Hände auf den Knien abstützt, kann er die Muskulatur des Schultergürtels für die Atmung mitnutzen und er entspannt den Brustkorb, wodurch die Einatmung leichter fällt.
Wenn man diese klinischen Zeichen an jemand beobachtet, der anstrengenden Sport macht, ist das eher kein Problem. Sollte sich aber jemand in Ruhe so verhalten, leidet er vielleicht an einer Atemerkrankung. Schau dir das Video über Einatmung und Ausatmung an, um dein Wissen über die Grundlagen der Atmung aufzufrischen.
Andere Hinweise auf Atemnot sind zum Beispiel:
Besondere Schlafpositionen: Orthopnoe wird das Gefühl von Kurzatmigkeit in Rückenlage des Oberkörpers genannt (z.Bsp. im Schlaf). Betroffene Patienten lagern ihren Oberkörper daher häufig mit Kissen im Bett höher, um besser atmen zu können.
Menschen, die an chronischen Herz- oder Lungenerkrankungen leiden, haben häufig Orthopnoe (Kurzatmigkeit bei flachem Liegen). Das liegt daran, dass sie zu viel Flüssigkeit in der Lunge haben, die sich besonders im liegen ansammelt. Durch die Flüssigkeit wird der Gasaustausch erschwert und das Gefühl von Kurzatmigkeit (Dyspnoe) entsteht.
Hör wie sie sprechen: Hast du schon einmal gesehen, wie ein Reporter einen Athleten unmittelbar nach einem anstrengenden Wettkampf interviewt? Die Wettkämpfer sind dann meist außer Atem und müssen mitten im Reden Luft holen und deswegen ihren Satz unterbrechen. Für diese Sportler ist das nach einem anstrengenden Wettkampf normal. Wenn jemand in Ruhe beim Reden nach Luft schnappen muss, kann das ein Hinweis auf Kurzatmigkeit sein.
Achte auf eine Änderung der Hautfärbung: Es ist nicht ganz richtig, dass du blau anläufst, wenn du den Atem anhälst, aber wenn das Blut wenig Sauerstoff enthält (dieser Zustand wird Hypoxämie genannt) können Hände und Füße blau-lila aussehen - das nennt man Zyanose. Die Färbung bei Zyanose hängt von der normalen Tönung der Haut ab. Hellhäutige Menschen haben eher bläuliche Schattierungen in Nagelbett, Handflächen und Fußsohlen sowie Ohrläppchen. Menschen mit dunkler Hautfarbe entwickeln eher eine dunkelgraue Färbung der Haut an diesen Stellen. Wenn der Sauerstoffmangel lange andauert, können die Nägel sich über die Fingerkuppen nach unten biegen und die Fingerspitzen wie Keulen oder Trommelschlegel geformt sein.
Schaukelatmung oder paradoxe Atmung: Stell dir vor, du beobachtest die Atembewegung eines Menschen, der auf der Seite liegt. Bei Einatmung bewegen sich Brustkorb und Bauch gemeinsam nach oben, bei der Ausatmung gemeinsam nach unten. Bei der paradoxen Atmung bewegen sich Brustkorb und Bauch entgegengesetzt. Während der Einatmung hebt sich der Brustkorb, aber der Bauch sinkt ab, und während der Ausatmung senkt sich der Brustkorb, aber der Bauch hebt sich.
Paradoxe Atmung tritt auf, wenn ein Teil des Brustkorbs gebrochen ist und dadurch beweglich wurde. Während der Einatmung hebt sich ein normaler Brustkorb und senkt dadurch den Druck im Thoraxraum. Wenn der Brustkorb allerdings nicht mehr stabil ist, wird der betroffene Teil eher in den Brustraum eingesaugt. Während der Ausatmung steigt der intrathorakale Druck und der formbare Teil der Brustkorbs wird nach außen gedrückt. Paradoxe Atmung wird bei Patienten mit Throaxtrauma beobachtet, oft nach Fahrunfällen.
Achte auf Einziehungen der Thoraxwand: Stellen wir uns eine Wasserflasche vor, in der ein Ballon so befestigt ist, dass die Stelle, an der man normal Luft reinbläst oder Wasser einfüllt, nach außen offen ist und mit dem Flaschenhals luftdicht abschließt (wie in der unten stehenden Abbildung gezeigt). Das dicke Ende wurde abgeschnitten und mit einem großen Gummituch bedeckt. Die Flasche soll den Brustkorb darstellen, der Ballon die Lunge und das Gummituch ist in diesem Modell dein Zwerchfell. Wenn du an dem Gummituch ziehst, erzeugst du im Inneren der Flasche einen Unterdruck durch Vergrößerung des Volumens bei gleicher Gasmenge. Nun strömt Luft von außen in den Ballon bis der Druck angegelichen ist. Genauso funktioniert auch die Einatmung! Durch die Bewegung des Zwerchfells wird der Innenraum des Brustkorbs vergrößert, dadurch Unterdruck erzeugt und Luft strömt von aussen in die Lunge bis zum Druckausgleich. Dadurch dehnt sich deine Lunge aus.
Wenn du aufhörst, an dem Gummi zu ziehen, wird es wieder glatt und das Volumen in der Flasche kleiner. Dadurch wird der Druck in unserem Modell des Brustkorbs höher und aus dem Ballon strömt wieder Luft aus, bis die Drücke erneut angeglichen sind. So funktioniert die Ausatmung. Dein Zwerchfell entspannt sich, dadurch schrumpft das Volumen des Brustkorbs und die Luft in deinen Lungen wird rausgedrückt.
Was passiert nun, wenn die Stelle, an der die Luft in den Ballon strömt, zu eng ist? Wenn wir nun an dem Gummituch ziehen und in der Flasche Unterdruck erzeugen, kann kaum oder sogar gar keine Luft von aussen in die Flasche einströmen. Es kommt dann nicht zum Druckausgleich und der Druck im inneren der Flasche kann soweit sinken, dass die Aussenwand der Flasche nach innen einknickt. So wie in der Flaschenwand können auch am Brustkorb eines betroffenen Patienten Einziehungen entstehen. Wenn der Druck im Inneren des Brustkorbs zu niedrig wird, wird das weiche, formbare Gewebe der Thoraxwand nach innen gezogen!
Einziehungen (Retraktionen) werden nach ihrer Lage eingeteilt.
  • subkostale Retraktionen: Einziehung der Bauchwand unterhalb des Rippenbogens.
  • substernale Retraktionen: Einziehung der Bauchwand genau unterhalb des Sternums (Brustbein).
  • interkostale Retraktionen: Einziehung der Haut zwischen den Rippen.
  • suprasternale Retraktionen: Einziehung des Halses in der Mitte genau über dem Brustbein (der Bereich wird auch Drosselgrube genannt).
Supraklavikuläre Retraktionen: Einziehungen der Haut des Halses über dem Schlüsselbein.
Fun fact! Die Lage der Retraktionen kann einen ungefähren Eindruck davon geben, wo die Obstruktion der Atemwege liegt. Wenn die oberen Atemwege verlegt sind, entstehen eher suprasternale und supraclavikuläre Einziehungen. Bei Verlegung der unteren Atemwege sieht man eher subkostale und substernale Einziehungen.
Retraktionen beobachtet man häufiger bei Säuglingen und Kleinkindern mit beispielsweise Entzündung der Bronchiolen, da ihre Brustkörbe noch leichter verformbar sind. Patienten mit Asthma, Anaphylaxie, Lungenentzündung oder Epiglottitis können aber in jedem Alter Retraktionen entwickeln, was immer einen sehr ernsthaften Zustand darstellt. Einziehungen bedeuten, dass der Patient sehr viel Mühe bei der Einatmung hat und schon bald zu erschöpft sein kann, um weiter zu atmen!
Achte auf laute und hellklingende Atemgeräusche: Patienten, bei denen die Atemwege blockiert sind, machen manchmal pfeifende oder hohe Atemgeräusche, Stridor genannt. Dieses Geräusch wird an Engstellen durch Verwirbelung des Luftstroms in den Atemwegen verursacht (ähnlich wie Wirbel in Blutgefäßen Geräusche verursachen), die zum Beispiel durch Entzündung der Atemwege entstehen können. Ein hörbarer Stridor ist ein ernsthaftes Alarmsignal, dass ein Patient schwere Atemnot hat und die Atemwege in Kürze vielleicht ganz verlegt sind, Ersticken droht!
Achte auf Rock Stars: Kopfnicken entsteht durch Einsatz der Skalenusmuskeln und der beiden Sternokleidomastoideus Muskeln, mit deren Hilfe die Patienten tiefere Atemzüge nehmen können. Man sieht diese Auffälligkeit nur bei Kindern, da deren Halsstreckermuskulatur noch nicht stark genug ist, um den Kopf bei dieser Art Atmung zu stabilisieren. Ein Kind, das beim Atmen mit dem Kopf wippen muss, leidet wahrscheinlich an schwerer Atemnot. Hier gehts zum Video das einen Patienten mit Kopfnicken zeigt.
Beobachte die Nase: Schau dir deine Nasenflügel im Spiegel an, während du einen ganz tiefen Atemzug nimmst. Siehst du, wie sie sich etwas nach außen biegen? So sieht Nasenflügeln (engl.: nasal flaring) aus. Ein Erweitern der Nasenöffnung durch Bewegung der Nasenflügel ist ein Zeichen für Atemnot, das vor allem bei Kleinkindern und jungen Kindern gesehen wird.
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